Wie Du heute einen Preis für morgen festlegen kannst
Stell Dir vor, Du hast im Garten einen Apfelbaum. Im Moment hängen daran nur ein paar Blüten. Aber Du bist optimistisch. In zwei Monaten wirst Du Äpfel haben. Viele Äpfel. Wahrscheinlich. Und Dein Nachbar brennt daraus einen wunderbaren Schnaps aber hat ein anderes Problem. Er weiss nicht, was Äpfel in zwei Monaten kosten werden. Vielleicht gibt's bei Dir eine Rekordernte sein "Rohstoff" ist für den sprichwörtlichen "Appel und 'nen Ei" erhältlich. Vielleicht aber hagelt es aber auch drei Wochen lang durchgängig und jeder Apfel wird behandelt wie ein seltener Edelstein mit Stiel.
Also macht Ihr einen Deal.
Du sagst: „Ich verkaufe Dir in zwei Monaten 100 Kilo Äpfel für 200 Franken". Und er ist damit wahrscheinlich einverstanden.
Damit ist der Preis heute festgelegt, obwohl die Äpfel erst später geliefert werden. Wenn Äpfel in zwei Monaten teurer sind, freut sich Dein Nachbar. Er bekommt sie günstiger als anderswo. Wenn Äpfel billiger sind, freust Du Dich. Du bekommst dann mehr Geld als anderswo.
Das ist die Grundidee eines Futures.
An der Börse geht's dann meistens nicht um Deinen Apfelbaum, sondern um Öl, Weizen, Gold, Aktienindizes, Staatsanleihen, Währungen oder Zinsen. Und dass der Nachbar nicht mit einem Handwagen vorbeikommt, sondern ein standardisierter Vertrag gehandelt wird. Mit Verfall, Sicherheitsleistung (was wenn Du die Äpfel nicht lieferst), täglicher Bewertung und allem, was Finanzmärkte brauchen, damit aus einer einfachen Idee ein ordentliches Instrument mit eingebauter Falltür wird.
Ein Future ist also ein Vertrag über einen Preis in der Zukunft. Du handelst nicht zwingend die Sache selbst. Du handelst die Verpflichtung, später zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen – oder, wenn Du es nicht liefern kannst oder willst die Differenz zwischen den Preisen aus Deiner Tasche zu bezahlen.
Das klingt fast vernünftig und ist es oft auch. Ein Bauer kann sich heute einen Preis für seine Ernte sichern. Eine Fluggesellschaft kann Treibstoffkosten planbarer machen. Ein Fonds kann sein Aktienmarktrisiko absichern, ohne gleich alles zu verkaufen.
Und natürlich kann man damit auch spekulieren. Denn sobald irgendwo ein Preis für morgen festgelegt wird, findet sich bestimmt jemand, der überzeugt ist, dass er oder sie morgen klüger war als alle anderen heute.
Warum Futures überhaupt existieren
Futures sind ursprünglich keine Spielzeuge für Menschen mit Trading App auf dem Smartphone. Sie entstanden aus einem sehr praktischen Problem: Unsicherheit.
Wer Öl produziert, Getreide anbaut, Kupfer verarbeitet oder internationale Geschäfte macht, hat ein Problem mit Preisen. Nicht mit Preisen an sich, sondern mit Preisen in der Zukunft. Wenn Du heute planst, aber erst in sechs Monaten kaufst oder verkaufst, kann sich der Markt bis dahin komplett anders verhalten. Das kann dann für Dich gut oder weniger gut ausgehen. Und Märkte verhalten sich bekanntlich gerne mal unberechenbar.
Ein Future schafft hier Verbindlichkeit. Ein Weizenproduzent kann heute einen Preis für seine zukünftige Ernte sichern. Eine Bäckerei kann sich gegen steigende Weizenpreise absichern. Eine Airline kann Treibstoffpreise fixieren. Ein Fonds kann sein Aktienmarktrisiko temporär reduzieren, ohne jedes einzelne Wertpapier verkaufen zu müssen.
Das nennt man Hedging. Also Absicherung. Nicht spektakulär, nicht sexy, aber für viele Unternehmen und institutionelle Investoren enorm wichtig.
Natürlich blieb es nicht dabei. Sobald es einen Markt gibt, auf dem man Risiken absichern kann, gibt es auch jemanden, der diese Risiken übernehmen möchte. Gegen Geld. Oder aus Überzeugung. Oder weil er ein Chartmuster gesehen hat, das aussah wie ein steigendes Dreieck mit Charakter.
Damit kommen Spekulanten ins Spiel. Sie nutzen Futures nicht, weil sie Öl geliefert bekommen möchten oder dringend 125 Tonnen Mais im Keller brauchen, sondern weil sie auf Preisbewegungen setzen und aus ihrem (vermeintlichen) Wissen Profit schlagen wollen. Steigt der Preis, gewinnt die eine Seite. Fällt er, gewinnt die andere. Futures sind also gleichzeitig Versicherungswerkzeug und Spekulationsinstrument.
Was bei einem Future tatsächlich gehandelt wird
Ein Future ist standardisiert. Es wird nicht individuell zwischen zwei Parteien ausgehandelt, sondern an einer Börse. Der Vertrag legt genau fest, worauf er sich bezieht, welche Menge dahintersteht, wann er ausläuft, wie abgerechnet wird und welche Qualitätsmerkmale gelten.
Bei einem Öl-Future geht es also nicht einfach um „Öl“, sondern um eine bestimmte Sorte, eine bestimmte Menge, einen bestimmten Lieferort und einen bestimmten Liefermonat. Bei einem Aktienindex-Future geht es um den Wert eines Index zu einem zukünftigen Zeitpunkt. Bei einem Zins-Future um Erwartungen an künftige Zinsen beziehungsweise Anleihepreise. Ohne Standardisierung wäre der Markt ein völlig unübersichtlicher Basar und jede Transaktion wäre unendlich aufwändig zu bewerkstelligen.
Wenn Du einen Future kaufst, gehst Du long. Du profitierst grundsätzlich davon, wenn der Preis des zugrunde liegenden Vermögenswerts steigt. Wenn Du einen Future verkaufst, gehst Du short. Du profitierst grundsätzlich davon, wenn der Preis fällt. Grundregel: im Futures-Markt immer das tun, wogegen Du Dich absichern möchtest. Wenn Du also in zwei Monaten Äpfel verkaufen willst verkaufst Du einen Future und schützt Dich damit davor, dass der Preis sinkt. Wenn Du dagegen die Äpfel kaufst, kaufst Du auch den Future für einen definierten Preis. Und wenn der dann steigt, zahlst Du trotzdem immer noch den vereinbarten, nicht den gestiegenen Preis in der Zukunft.
Weiterer Vorteil: Du musst den vollen Wert des zugrunde liegenden Vertrags nicht mal sofort bezahlen. Stattdessen hinterlegst Du eine Sicherheitsleistung, die sogenannte Margin. Und genau hier beginnt der Teil, bei Futures etwas genauer hinschauen muss.
Margin: wenig Einsatz, viel Wirkung
Futures funktionieren mit Hebel. Das bedeutet: Mit relativ wenig hinterlegtem Kapital kontrollierst Du einen deutlich grösseren Gegenwert.
Stell Dir vor, ein Future hat einen Gegenwert von exakt 100'000 CHF. Als Sicherheitsleistung musst aber vielleicht nur 5'000 oder 10'000 CHF als Margin hinterlegen. Das ist einerseits effizient, weil Du nur einen Bruchteil Deines Kapitals einsetzen musst um Dich abzusichern. Andererseits ist es aber auch deswegen gefährlich. Der Hebel wirkt nämlich in beide Richtungen. Wenn sich der Markt in Deine Richtung bewegt, ist der Gewinn bezogen auf das eingesetzte Kapital hoch. Wenn sich der Markt gegen Dich bewegt, ist der Verlust ebenfalls hoch.
Futures werden täglich bewertet. Gewinne und Verluste werden regelmässig abgerechnet und den Vertragsparteien jeweils auf das Konto gutgeschrieben oder abgezogen. Das nennt sich Mark-to-Market. Wenn Du jetzt länger Miese machst ist irgendwann mal Deine Sicherheitsleistung aufgebraucht. Du kannst dann das Leiden weiter verlängern und einen zusätzlichen Betrag einzahlen oder darauf hoffen dass danach die Position wieder in Deinem Sinne läuft. Das ist der buchstäbliche Margin Call - ein sehr sachlicher Begriff für: „Bitte sofort Geld nachschiessen, sonst schliessen wir Deine Position.“
Das ist dann auch der Hauptunterschied zu klassischen Anlagen. Bei einer Aktie kannst Du sie kaufen, ignorieren, verdrängen und Dir einreden, dass der Markt Deine Genialität irgendwann erkennt. Bei Futures interessiert sich niemand für Deine emotionalen Prozess: Wenn Dein Margin nicht reicht, wird gehandelt.
Futures sind Nullsummenspiele – vor Kosten
Bei Aktien kann langfristig Wert entstehen. Unternehmen können wachsen, Gewinne erzielen, Dividenden zahlen, produktiver werden. Bei Anleihen bekommst Du Zinsen, weil Du Kapital verleihst. Bei Futures ist die Sache das nicht so.
Ein Future ist ein Vertrag zwischen zwei Seiten. Was die eine Seite gewinnt, verliert die andere – vor Kosten. Es gibt keinen eingebauten Ertragsstrom wie Dividenden oder Kupons. Effektiv überträgst Du das Risiko für sinkende oder fallende Preise irgendjemand Anders. Eine Rendite entsteht dadurch nicht automatisch.
Heisst wiederum nicht, dass man mit Futures kein Geld verdienen kann. Natürlich kann man das. Aber es heisst, dass der Gewinn aus der Preisbewegung kommt, aus der Absicherung, aus der Risikoprämie, aus Marktineffizienzen oder aus systematischen Strategien.
Bei einem Aktien-ETF kannst Du grob sagen: Ich beteilige mich breit am globalen Unternehmenssektor. Bei einem Future sagst Du eher: Ich übernehme ein bestimmtes Preisrisiko für eine bestimmte Zeit. Das ist nicht schlechter. Aber es ist etwas völlig anderes.
Lieferung oder Barausgleich
Viele Futures könnten theoretisch physisch erfüllt werden. Bei Rohstoffen bedeutet das: Jemand liefert tatsächlich Öl, Weizen, Kupfer oder Kaffee. In der Praxis wollen die meisten Finanzmarktteilnehmer aber keine reale Lieferung. Und wahrscheinlich möchtest auch Du nicht am Ende eines schlechten Trades plötzlich erklären müssen, warum vor Deiner Wohnung ein Lastwagen mit Schweinebäuchen steht oder die Post bei Dir ein Barrel Brent in den Milchkasten steckt.
Viele Futures werden daher vor Ablauf geschlossen oder "gerollt" (also verlängert). Andere Futures können ohnehin nur bar abgerechnet werden. Bei einem Aktienindex-Future wird Dir dann auch nicht der gesamte Index "physisch" geliefert. Die Differenz wird Dir einfach in Geld ausbezahlt.
Trotzdem ist der Verfallstermin wichtig. Futures laufen ab. Sie sind keine Anlage, die man einfach ewig hält und laufen lässt. Wer eine Futures-Position länger halten will, muss sie regelmässig in einen späteren Vertrag "rollen". Man verkauft den auslaufenden Future und kauft einen neuen mit späterem Termin.
Und damit kommt das nächste hübsche Wort auf den Tisch: Rollrendite.
Contango, Backwardation und der Preis der Zeit
Futures auf denselben Basiswert können je nach Laufzeit unterschiedliche Preise haben. Der Öl-Future für nächsten Monat kann einen anderen Preis haben als der Öl-Future für in sechs Monaten. Das ist keine Panne, sondern normal und spiegelt die Erwartungen für den Preis wider.
Wenn die Futures die weiter in der Zukunft liegen teurer sind als die kurzfristigen, spricht man von Contango. Das kann zum Beispiel mit Lagerkosten (der Schweinebauch will ja auch gekühlt werden), Finanzierungskosten oder Markterwartungen ("Schweinebauch im Hochsommer"?) zusammenhängen. Wer in einem solchen Markt ständig von einem günstiger auslaufenden Future in einen teureren späteren Future rollen muss, verliert dabei tendenziell Geld. Nicht weil der Preis fällt, sondern weil die Struktur gegen ihn arbeitet.
Wenn länger laufende Futures günstiger sind als kurzfristige, spricht man von Backwardation. Dann kann das Rollen wiederum positiv wirken, weil man teurer verkauft und günstiger neu kauft.
Futures als Absicherung
Der sauberste Einsatz von Futures ist oft die Absicherung. Ein Investor mit grossem Aktienportfolio kann Index-Futures verkaufen, wenn man denkt der Markt wird allenfalls korrigieren. Dann müssen nicht mühsam alle Einzelpositionen verkauft werden, was unter Umständen hohe Transaktionskosten verursacht und dann später alles wieder zurückgekauft werden.
Ein Unternehmen kann Währungsrisiken absichern. Ein Rohstoffverbraucher kann Einkaufspreise planbarer machen. Ein Produzent kann Verkaufspreise sichern. In diesen Fällen geht es nicht darum, den Markt zu schlagen. Es geht darum, ein Risiko kontrollierbarer zu machen.
Hedging ist in den seltensten Fällen Gewinnmaximierung. Wer sich absichert, verzichtet oft bewusst auf einen Teil der möglichen positiven Überraschung, um negative Überraschungen zu begrenzen. Das ist ungefähr so wie eine Versicherung: Man hofft nicht, dass das Haus brennt, nur weil man eine Police abgeschlossen hat. Und natürlich muss die Police auch bezahlt werden, sonst gibt's am Ende kein Geld.
Absicherung kann natürlich auch schiefgehen. Der Future muss zum Risiko passen. Wenn ein Unternehmen Kerosin absichern will, aber nur Öl-Futures nutzt, bleibt ein Unterschied zwischen dem abgesicherten Instrument und dem tatsächlichen Risiko. Das nennt man dann Basisrisiko. Weil es einen kleineren oder grösseren Unterschied zwischen den abgesicherten Gütern gibt.
Futures als Spekulation
Natürlich kann man Futures auch nutzen, um gezielt auf Marktbewegungen zu setzen. Aktienindex rauf, Öl runter, Gold hoch, Zinsen runter, Währung schwächer. Alles handelbar. Alles mit Hebel und der Möglichkeit in sehr kurzer Zeit viel Geld in den Sand zu setzen.
Der Reiz ist offensichtlich: Futures sind liquide, effizient, transparent und ermöglichen Long- und Short-Positionen. Für professionelle Marktteilnehmer sind sie zentrale Werkzeuge. Für Privatanleger sind sie manchmal eher wie die Motorsägen der Kanadischen Holzfäller: beeindruckend, funktional, aber man muss ein wenig Ahnung von deren Bedienung haben um seine Mobilität nicht zu gefährden.
Futures im Portfolio
Futures können in Portfolios verschiedene Rollen übernehmen. Sie können Risiken absichern, Marktpositionen effizient aufbauen, Liquidität steuern oder alternative Renditequellen erschliessen. Institutionelle Investoren nutzen Futures regelmässig, weil sie schnell, liquide und standardisiert sind.
Ein Fonds kann zum Beispiel schnell von steigenden Aktienpreisen profitieren in dem er einfach Aktien oder Index-Futures kauft. Und das ohne sofort alle Aktien kaufen zu müssen. Ein Portfolio kann kurzfristig abgesichert werden. Eine Rohstoffstrategie kann über Futures umgesetzt werden.
Für private Anleger ist der direkte Einsatz etwas anspruchsvoller. Futures verzeihen weniger Fehler als klassische Fonds oder ETFs. Margin, Hebel, Verfall, Rollkosten, Liquidität, Kontraktgrösse, Steuerfolgen und Produktstruktur müssen verstanden werden.
Wer Futures indirekt über ETFs, Fonds oder strukturierte Produkte nutzt, muss ebenfalls hinschauen. Entscheidend ist, was das Produkt tatsächlich hält, wie gerollt wird, welche Kosten entstehen und ob der erwartete Zusammenhang zum gewünschten Markt überhaupt stabil ist.
Ein Rohstoffprodukt ist nicht automatisch dasselbe wie Rohstoffpreise. Ein Volatilitätsprodukt ist nicht automatisch Schutz. Ein gehebeltes Produkt ist nicht automatisch eine kluge Abkürzung.
Der Unterschied zwischen Futures und Optionen
Futures werden oft mit Optionen in denselben Topf geworfen, weil beides Derivate sind. Das ist verständlich, aber ungenau.
Bei einem Future verpflichten sich beide Seiten. Käufer und Verkäufer haben symmetrische Pflichten. Wenn der Markt sich bewegt, entstehen Gewinne und Verluste entsprechend auf beiden Seiten.
Eine Option gibt dem Käufer dagegen ein Recht, aber keine Pflicht. Wer eine Call-Option kauft, hat das Recht zu kaufen. Wer eine Put-Option kauft, hat das Recht zu verkaufen. Dafür zahlt er eine Prämie. Der Verkäufer der Option übernimmt die Pflicht.
Futures sind direkter. Optionen haben zusätzliche Dimensionen wie Zeitwert, Volatilität und Ausübungspreis. Futures sind im Vergleich klarer, aber nicht harmloser. Der Future sagt: Wir machen diesen Deal. Die Option sagt: Ich darf, wenn ich will. Das ist ein erheblicher Unterschied.
Warum Futures gefährlich wirken – und es manchmal auch sind
Futures übertragen Preisrisiken, ermöglichen Absicherung, schaffen Liquidität und erlauben sich mit wenig Kapital im Markt zu positionieren. UNd wenn man diese Funktionen falsch einsetzt oder falsch dimensioniert dann kann es schief gehen. Die grössten Risiken sind Hebel, Nachschusspflichten (Margin Calls), falsche Kontraktgrössen, unpassende Laufzeiten, schlechte Liquidität und mangelndes Verständnis der Terminstruktur. Dazu kommt psychologisches Risiko: Weil man mit wenig Kapital grosse Positionen bewegen kann, fühlt es sich kleiner an, als es ist. Das Konto sieht den Unterschied. Der Markt ist da emotionslos.
Futures sind also weder Teufelszeug noch Zauberwerkzeug. Sie sind professionelle Instrumente.
Mitreden
Future — Standardisierter Terminkontrakt, mit dem heute ein Preis für einen Kauf oder Verkauf in der Zukunft festgelegt wird.
Basiswert — Das, worauf sich der Future bezieht. Zum Beispiel Öl, Gold, Weizen, ein Aktienindex, eine Währung, eine Anleihe oder ein Zinssatz.
Long — Position, die grundsätzlich gewinnt, wenn der Preis des Basiswerts steigt.
Short — Position, die grundsätzlich gewinnt, wenn der Preis des Basiswerts fällt.
Margin — Sicherheitsleistung, die für eine Futures-Position hinterlegt werden muss. Nicht der Kaufpreis, sondern die Eintrittskarte mit Sprengstoffrand.
Hebel — Der Effekt, dass mit wenig eingesetztem Kapital eine deutlich grössere Marktposition bewegt wird. Verstärkt Gewinne und Verluste.
Mark-to-Market — Laufende Bewertung einer Futures-Position zum aktuellen Marktpreis. Gewinne und Verluste werden regelmässig abgerechnet.
Margin Call — Aufforderung, zusätzliche Sicherheiten zu hinterlegen, wenn die Position gegen einen läuft. Klingt höflicher, als es sich anfühlt.
Verfall — Zeitpunkt, an dem ein Future endet und erfüllt, geschlossen oder abgerechnet wird.
Rollen — Verkauf eines auslaufenden Futures und Kauf eines später fälligen Futures, um eine Position weiterzuführen.
Contango — Marktsituation, in der länger laufende Futures teurer sind als kurzfristige. Kann beim Rollen Kosten verursachen.
Backwardation — Marktsituation, in der länger laufende Futures günstiger sind als kurzfristige. Kann beim Rollen vorteilhaft sein.
Basisrisiko — Risiko, dass der Future nicht exakt zum abzusichernden Risiko passt. Fast richtig ist im Risikomanagement manchmal immer noch falsch.
Mach mal 'nen Punkt
Futures sind eines der wichtigsten Werkzeuge moderner Finanzmärkte. Sie machen Preise planbarer, Risiken handelbar und Märkte effizienter. Ohne Futures wären viele Rohstoff-, Währungs-, Zins- und Aktienindexmärkte deutlich schwerfälliger. Für Unternehmen und institutionelle Investoren sind sie oft kein Casino, sondern ein regelmässig gebrauchtes Standardwerkzeug.
Für Privatanleger können Futures aber anspruchsvoll sein. Nicht wegen der Idee, sondern wegen der Mechanik. Hebel, Margin, tägliche Abrechnung, Verfall und Rollkosten machen aus einem scheinbar einfachen Marktdeal ein Instrument, das man genau verstehen muss.
Der Kern ist simpel: Futures sind keine normale Anlage, die man kauft und liegen lässt. Sie sind Verträge über Preisrisiken. Wer Futures nutzt, handelt nicht nur eine Meinung, sondern eine Verpflichtung. Und Verpflichtungen sind an den Finanzmärkten wie im echten Leben: Man sollte sie vorher lesen und das Kleingedruckte genau anschauen.
Was Du beachten musst
Nicht jeder Future ist gleich gross.
Ein Future kann eine sehr grosse Position bewegen. Die Margin wirkt klein, der wirtschaftliche Hebel ist es nicht.
- Vor jedem Trade Kontraktgrösse, Multiplikator und vollen Gegenwert prüfen.
Der Tick entscheidet, wie schnell es weh tut.
Futures bewegen sich in Ticks. Jeder Tick hat einen Geldwert. Das ist der Betrag pro kleinster Preisbewegung.
- Tick Size und Tick Value nachschauen und ausrechnen, was eine normale Tagesbewegung in Geld bedeutet.
Der richtige Kontraktmonat zählt.
Futures laufen aus. Man handelt nicht einfach „Öl“ oder den „S&P 500“, sondern einen bestimmten Kontrakt mit Verfall.
- Verfallmonat, Liquidität und geplanten Ausstieg oder Rolltermin vor dem Trade festlegen.
Margin ist nicht Dein Risiko.
Die Margin ist nur die Sicherheitsleistung. Sie zeigt nicht, wie viel Du verlieren kannst.
- Risiko über Kontraktwert, Positionsgrösse, Volatilität und verfügbares Cash berechnen.
Produkt und Zweck müssen zusammenpassen.
Ein Future kann absichern oder spekulieren. Das Instrument ist dasselbe, aber die Logik dahinter ist völlig anders.
- Vorher festlegen, ob der Trade Absicherung, Marktmeinung oder reine Hebelung ist.
tl;dr;
- Futures sind standardisierte Verträge, mit denen heute ein Preis für einen Kauf oder Verkauf in der Zukunft festgelegt wird.
- Sie werden auf Basiswerte wie Rohstoffe, Aktienindizes, Anleihen, Währungen oder Zinsen gehandelt.
- Ursprünglich dienen Futures der Absicherung von Preisrisiken, werden aber auch stark zur Spekulation genutzt.
- Futures funktionieren mit Margin und Hebel. Das macht sie kapitaleffizient, aber auch riskant.
- Gewinne und Verluste werden laufend bewertet. Wenn die Margin nicht reicht, kann Geld nachgefordert oder die Position geschlossen werden.
- Futures laufen ab. Wer länger investiert bleiben will, muss rollen.
- Contango und Backwardation können die Rendite beeinflussen, besonders bei Rohstoffprodukten.
- Futures sind keine klassische Anlage wie Aktien oder Anleihen, sondern Verträge über Preisrisiken.
- Für Profis sind Futures zentrale Werkzeuge. Für Privatanleger sind sie nur geeignet, wenn Mechanik, Risiko und Produktstruktur wirklich verstanden werden.