Warum Staaten und Unternehmen sich Geld leihen – und Investierende dafür Zinsen bekommen
Wenn Aktien Beteiligungen an Unternehmen sind, dann sind Anleihen das Gegenteil: Kredite. Du leihst jemandem Geld, der es dringend braucht – und bekommst dafür Zinsen. Das tönt nach einem guten Deal. Und meistens ist es das auch. Meistens.
Mit einer Anleihe leihst Du einem Staat, einem Unternehmen oder einer anderen Institution Geld. Dafür verspricht der Schuldner, Dir regelmässig Zinsen zu zahlen und Dir das geliehene Kapital auch zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückzugeben. Und weil versprochen ja versprochen ist, aber etwas schriftliches immer besser ist wird das auch in einer Art Vertrag so geregelt. Deswegen glauben viele an Anleihen als sehr verlässliche, stabile Anlage – eine Laufzeit, ein Zinssatz, ein Rückzahlungsbetrag. Grundsätzlich ist das auch so, aber ein paar Aspekte machen daraus ein etwas komplexerers Thema. Blöderweise (oder je nach Perspektive auch glücklicherweise) hängt der Wert einer Anleihe von Zinsen, Inflation, Kreditrisiken und den aktuellen Marktbedingungen ab. Wer also vielleicht früher an sein in Anleihen investiertes Kapital will oder die einst niedrigen Zinsen durch jetzt höhere Zinszahlungen ersetzen will muss sich auch damit auseinandersetzen.
Denn eine Anleihe ist ein handelbares Schuldpapier. Der Emittent – also der der Geld von Dir ausleihen möchte – erhält dieses von Investierenden und verpflichtet sich im Gegenzug zu zwei Dingen: Erstens zahlt er regelmässig Zinsen, meist einmal oder zweimal pro Jahr. Das ist der sogenannte Kupon - ein Begriff, der aus einer Zeit stammt, als Anleihen noch Papierstücke mit abreissbaren Zinsscheinen waren. Und zweitens zahlt er am Ende der Laufzeit den ursprünglichen Betrag zurück – den sogenannten Nominalwert oder Nennwert. Wichtig: der Nennwert entspricht meistens nicht dem Preis für den Du die Anleihe erwirbst sondern ist der Wert, der auf das virtuelle Papier "aufgedruckt" ist und den Du am Ende zurückbekommst. Steht da ein Nennwert von 5'000 CHF bekommst Du 5'000 CHF zurück, auch wenn Du vielleicht nur 4'898 CHF dafür bezahlt hast. Weil: Zinsen, Inflation, Kreditrisiken und aktuelle Marktbedingungen.
Du kaufst also eine Anleihe kaufst und bist damit ein Kreditgeber. Du stellst Kapital zur Verfügung und erhältst dafür eine Verzinsung. Aber Du kannst nicht mitbestimmen für was das Kapital eingesetzt wird, keine Redezeit auf der Hauptversammlung – aber auch kein böses Erwachen, wenn das Unternehmen einen neuen CEO ernennt, der sofort drei Umstrukturierungen, eine neue Markenstrategie und einen Tischkicker im Büro ankündigt und der Aktienkurs danach auf Tiefflug geht. Als Anleiheinvestor ist Dir das relativ (nicht völlig) egal, denn Du hast ja das Papier mit dem Versprechen darauf, dass Du Zinszahlungen und auch Deinen Nennwert wiederbekommst.
Warum Staaten und Unternehmen Anleihen ausgeben
Der wichtigste Grund ist simpel: Sie brauchen Geld – und zwar oft sehr viel davon, sehr schnell, für sehr lange Zeiträume. Staaten benötigen Kapital für Infrastruktur, um Haushaltsdefizite zu überbrücken (die Steuersenkung für Milliardäre muss ja irgendwie gegenfinanziert werden) oder langfristige Projekte zu finanzieren. Unternehmen brauchen es für Investitionen, neue Produktionskapazitäten oder Expansion. Warum aber gehen die Firmen nicht zu einer Bank und nehmen einen Kredit auf wie Du und ich und viele andere? Anleihen bieten einfach mehr Flexibilität als klassische Bankkredite: Grosse Beträge lassen sich auf viele Investierende verteilen (nicht eine einzelne Bank), die Laufzeiten können Jahrzehnte umfassen (es gibt auch sogenannte "century bonds", die 100 Jahre Laufzeit haben), und die Konditionen (Banken sind meist sehr streng in ihrer Kreditvergabepraxis) sind bei Ausgabe klar definiert.
Anleihemärkte sind ein zentrales Fundament moderner Finanzsysteme. Tatsächlich ist der globale Anleihemarkt grösser als der Aktienmarkt – bekommt aber deutlich weniger Aufmerksamkeit in den Medien, weil er gefühlt weniger "dramatisch" ist. Anleihen sind quasi die fleissigen, unauffälligen Buchhaltertypen des Kapitalmarkts, Aktien die Lederjacken-tragenden CEOs. Aktien bekommen die Schlagzeilen; Anleihen halten den Laden am Laufen.
Der Unterschied zwischen Anleihen und Aktien
Der wichtigste Unterschied liegt in der Rolle, die man als Investor einnimmt. Aktionäre sind Eigentümer eines Unternehmens. Sie profitieren von Gewinnen – tragen aber auch das volle unternehmerische Risiko, inklusive der Möglichkeit, dass ihre Beteiligung irgendwann weniger wert ist als Dein Kassenbon vom Supermarkt. Anleiheinvestierende hingegen sind Kreditgeber. Sie erhalten eine festgelegte Verzinsung und haben einen rechtlichen Anspruch auf Rückzahlung ihres Kapitals – unabhängig davon, ob das Unternehmen gerade einen Rekordgewinn einfährt oder mit dem Launch eines neuen Produkts grandios Scheitert.
Anleihen sind dennoch nicht risikofrei. Natürlich können Schuldner auch zahlungsunfähig werden, ein Staat oder eine Firma in Zahlungsschwierigkeiten geraten oder Bankrott gehen. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Rangfolge der Ansprüche: Wenn also im Insolvenzfall Anleihenkäufer und Aktionäre in einer langen Schlange stehen um ein bisschen vom investierten Geld zurückzubekommen stehen die Kreditgeber weit vor den Aktionären. Bedeutet nicht, dass man dabei besonders gut wegkommt – aber immerhin besser als jemand, der ganz am Ende der Schlange steht.
Warum Anleihepreise schwanken
Erinnere Dich: der Nennwert ist das was Du (idealerweise, ohne Bankrott) am Ende der Laufzeit zurückbekommst. Wie bereits kurz angesprochen: das ist meist nicht der Preis den Du für eine Anleihe bezahlst, oder den Du bekommst wenn Du Deine Anleihe wieder verkaufen möchtest. Anleihepreise schwanken täglich, und manchmal erheblich. Der wichtigste Grund dafür sind Zinsänderungen, und die zugrunde liegende Logik ist eigentlich intuitiv.
Stell Dir vor, Du hältst eine Anleihe mit einem Kupon von 3 Prozent. 5'000 CHF Nennwert, Du bekommst davon einmal im Jahr 150 CHF überwiesen als Kupon. Nun steigen aber die Zinsen. Und keiner möchte mehr 150 CHF (3% von 5'000 CHF) wenn man auch einen 250 CHF (also 5% von 5'000 CHF) haben kann. Also muss der Preis "Deiner" Anleihe sinken, bis die trotz des niedrigeren Kupons wieder attraktiv genug ist, dass die jemand kauft. Weil am Ende gibt's ja die vollen 5'000 CHF wieder zurück. Logischerweise funktioniert das umgekehrt genauso: Wenn Zinsen fallen, steigen bestehende Anleihen mit höheren Kupons im Wert – weil sie plötzlich mehr bieten als das, was am Markt neu erhältlich ist.
Anleihepreise und Zinsen bewegen sich also in entgegengesetzte Richtungen. Dieser umgekehrte Zusammenhang ist eine der wichtigsten Eigenschaften von Anleihen. Und dann wird auch klar, warum 2022 für viele Anleiheinvestierende ein äusserst unangenehmes Jahr war: Die Zentralbanken haben die Zinsen in einem Tempo angehoben, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Zinsen hoch, Kurse runter.
Laufzeit, Duration und das Zinsrisiko
Nicht alle Anleihen reagieren gleich stark auf Zinsänderungen. Kurzlaufende Anleihen sind vergleichsweise stabil, weil der Rückzahlungstermin nahe liegt. Steigen die Zinsen, aber Deine Anleihe läuft noch 2-3 Monate - das hältst Du vermutlich aus. Langlaufende Anleihen hingegen reagieren deutlich stärker: Bei steigenden Zinsen kann ihr Marktwert erheblich fallen, manchmal zweistellig – und das bei einem Instrument, das eigentlich als "sicher" gilt.
Hier gibt es in der Finanzwelt den (etwas irreführenden) Begriff der Duration. Das ist die Masszahl wie empfindlich der Preis einer Anleihe reagiert wenn die Zinsen ändern. Hohe Duration, hohe Änderung. Eine Duration von 8 bedeutet zum Beispiel, dass der Kurs bei einem Zinsanstieg von einem Prozentpunkt um etwa 8 Prozent fällt – und umgekehrt entsprechend steigt.
Je länger die Laufzeit und je niedriger der Kupon, desto höher die Duration. Du profitierst also extrem wenn die Zinsen fallen, oder hast hohe Verluste wenn diese steigen. Leute mit ganzen Portfolios von unterschiedlichen Anleihen (mit unterschiedlichen Laufzeiten) nutzen diesen Mechanismus um ihre Risiken (was passiert mit meinen Anleihen wenn die Zentralbank wieder vorschnell die Zinsen erhöht? Oder zu spät senkt?) zu verstehen und zu steuern – und manchmal auch, um beim abendlichen Bier kompetent zu klingen.
Kreditrisiko: Was passiert, wenn der Schuldner nicht zahlt
Neben Zinsänderungen gibt es das Kreditrisiko – die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schuldner seine Verpflichtungen schlicht nicht erfüllen kann oder will (ja, das gibt's auch gar nicht mal so selten). Staatsanleihen grosser Industrieländer gelten als vergleichsweise sicher, weil Staaten im Zweifel einfach die Steuern erhöhen, Ausgaben kürzen oder – in extremeren Fällen – mehr Geld drucken können. Einen Staatsbankrott gibt's gefühlt nur alle paar Jahrzehnte mal. Unternehmensanleihen tragen je nach finanzieller Lage des Unternehmens ein höheres Risiko, das auch noch stark variieren kann.
Und da meist keiner Lust hat sich die einzelnen Anleihen und die Unternehmen dahinter in einem aufwändigen Prozess selbst im Detail anzuschauen und sich mit Berechnungen aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung zu plagen gibt es Ratingagenturen wie Moody's, S&P oder Fitch die versuchen dieses Risiko einzuschätzen und mit einer Note zu versehen: AAA für höchste Bonität, dann absteigend bis in Territorien, die man höflich als "spekulativ" bezeichnet. Anleihen mit niedrigerem Rating bieten höhere Zinsen, weil das höhere Risiko natürlich bezahlt werden muss. Sonst trägt es ja keiner. Diese werden als High-Yield-Anleihen bezeichnet, manchmal auch als "junk bonds" – ein Name, der eigentlich alles sagt, was man wissen muss.
Inflation: Der stille Feind der Anleihe
Inflation ist für Anleihen das, was Regen für Deine Grillparty ist: nicht katastrophal, aber definitiv ärgerlich – und wenn man nicht aufpasst, verdirbt sie einem den gut geplanten Abend. Steigt die Inflation, sinkt die Kaufkraft zukünftiger Zinszahlungen. Du kannst Dir also mit Deinem Kupon, später wenn Du ihn bekommst weniger leisten. Daher muss die höhere Inflation über höhere Zinsen ausgeglichen werden. Wenn der Kupon allerdings niedrig ist und bleibt macht das ein Investment in gerade neu ausgegebene Anleihen (mit höherem Kupon) viel attraktiver und setzt die bestehenden Preise unter Druck.
Wer dieses Risiko nicht tragen will kauft inflationsindexierte Anleihen, deren Zahlungen an die Inflationsrate gekoppelt sind. Ob das in der Praxis den gewünschten Schutz liefert, hängt davon ab, welcher Inflationsindex verwendet wird und ob man bereit ist auch dafür etwas mehr zu berappen als für eine Anleihe mit fixem Kupon.
Rendite: Was Anleihen tatsächlich einbringen
Die Rendite einer Anleihe ergibt sich nicht nur aus dem Kupon. Hinzu kommen mögliche Kursgewinne oder -verluste: Wer eine Anleihe unter dem Nominalwert kauft, bekommt am Ende mehr zurück, als er bezahlt hat – und erzielt damit eine höhere Gesamtrendite als der Kupon allein liefern kann. Wer hingegen über dem Nominalwert einsteigt, muss diesen Abschlag bei der finalen Zurückzahlung mit einberechen.
Die wichtigste Kennzahl für diesen Vergleich ist die Yield to Maturity (YTM) – die Rendite bis die Anleihe "fällig" ist. Sie beschreibt die erwartete Gesamtrendite unter der Annahme, dass Du nicht vorher verkaufst und berücksichtigt Kupons, aktuellen Marktpreis und Laufzeit in einer einzigen Zahl. Damit lassen sich Anleihen mit unterschiedlichen Kupons und Laufzeiten miteinander vergleichen.
Anleihen im Portfolio
In vielen Portfolios übernehmen Anleihen die Rolle des ruhigen, vernünftigen Gegengewichts – während Aktien mal euphorisch durch die Decke schiessen und mal dramatisch in den Keller fallen. Anleihen entwickeln sich oft stabiler und können in bestimmten Marktphasen sogar entgegengesetzt zu Aktien funktionieren: Wenn Unsicherheit steigt und Investierende in sichere Häfen flüchten, steigen Staatsanleihen oft im Wert, während Aktien fallen. Das macht sie zu einem wertvollen Instrument der Diversifikation – nicht weil sie immer Gewinne liefern, sondern weil sie die Schwankungen eines Portfolios glätten können.
Allerdings gilt auch hier: Stabilität ist relativ. In Phasen stark steigender Zinsen – wie 2022 zu beobachten – können Anleihemärkte erhebliche Verluste verzeichnen, und leider auch im Tandem mit Aktien. Der vernünftige Erwachsene im Portfolio hat also auch mal seine schlechten Tage.
Anleihen und Zentralbanken: Mehr als ein Investorenthema
Ein letzter wichtiger Punkt: Anleihen sind kein rein privates Arrangement zwischen Investor und Schuldner. Zentralbanken wie die EZB oder die SNB beeinflussen aktiv den Anleihemarkt, indem sie Staatsanleihen kaufen oder verkaufen, um die Geldmenge zu steuern und das allgemeine Zinsniveau zu beeinflussen – bekannt als Quantitative Easing in ihrer expansiven Form, das heisst um die Wirtschaft nach einem Einbruch wieder anzukurbeln. Das macht Anleihemärkte nicht nur zu einem Ort, an dem Renditen gesucht werden. Sie sind auch ein geldpolitisches Steuerungsinstrument von erheblicher Bedeutung.
Mitreden
Anleihe — Das IOU der Finanzwelt, ein handelbares "Papier", mit dem man einem Staat oder Unternehmen Geld leihen und dafür regelmässige Zinszahlungen sowie die Rückzahlung des Kapitals am Laufzeitende erhält.
Kupon — Der festgelegte Zinssatz einer Anleihe; historisch benannt nach den abreissbaren Zinsscheinen physischer Wertpapiere. Unveränderlich – egal was der Markt danach macht.
Nominalwert — Der Betrag, der am Ende der Laufzeit zurückgezahlt wird. Auch Nennwert genannt. Ist meist nicht der Preis den Du bezahlst.
Yield to Maturity (YTM) — Die Gesamtrendite einer Anleihe bis zur Fälligkeit, unter Berücksichtigung von Kupons, aktuellem Marktpreis und Restlaufzeit. Ermöglicht den Vergleich verschiedener Anleihen auf einer gemeinsamen Basis.
Duration — Mass für die Zinssensitivität einer Anleihe. Hohe Duration bedeutet starke Kursreaktionen auf Zinsänderungen – nach oben wie nach unten.
Kreditrisiko — Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schuldner seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen kann. Wird von Ratingagenturen bewertet – mit einem oder mehreren Buchstaben, die viel sagen.
High-Yield-Anleihe — Anleihe mit niedrigem Kreditrating und entsprechend höherem Zinssatz als Risikoausgleich. Im Volksmund: Junk Bond.
Mach mal 'nen Punkt
Anleihen sind eine der wichtigsten Anlageklassen globaler Finanzmärkte – und trotzdem die am häufigsten unterschätzte. Sie ermöglichen Staaten und Unternehmen Finanzierung in grossem Massstab, bieten Investierenden planbare Zinserträge und spielen eine zentrale Rolle in der Geldpolitik. Gleichzeitig reagieren sie empfindlich auf Zinsentwicklungen und Inflation.
Im Portfoliokontext gelten Anleihen klassischerweise als Gegenpol zu Aktien. Diese Logik funktioniert gut – bis sie es nicht mehr tut, wie 2022 eindrücklich gezeigt hat. Wer verstehen will, warum Anleihepreise sich so verhalten wie sie es tun, muss sich auch mit Zinsen und Inflation beschäftigen – zwei Themen, die im Anleihemarkt direkt sichtbar werden, bevor sie anderswo ankommen.
Was Du beachten musst
Zentralbankkommunikation ist Anleihemarkt-Nachrichten.
Wenn SNB, EZB oder Fed über Zinsschritte sprechen, betrifft das Anleihen direkt und unmittelbar.
- Ein kurzer Blick auf die letzten Zinsentscheide gibt die wichtigste Richtung vor.
Die Zinskurve erzählt eine Geschichte.
Das Verhältnis zwischen kurz- und langlaufenden Zinsen zeigt, was der Markt über die wirtschaftliche Zukunft denkt. Eine inverse Zinskurve – kurzfristige Zinsen höher als langfristige – gilt historisch als verlässliches Warnsignal für eine bevorstehende Rezession.
- Lässt sich auf einschlägigen Finanzseiten einfach nachschauen.
Ratings ändern sich – und das hat Konsequenzen.
Das Rating eines Emittenten sollte man kennen, bevor man investiert. Eine Herabstufung drückt nicht nur den Kurs, sondern signalisiert gestiegenes Ausfallrisiko.
- Ratingveränderungen werden meist recht breit kommuniziert und sind ein klares Signal zum Hinschauen.
Inflation ist das stille Grundrauschen.
Inflationsdaten sind für Anleihen mindestens so relevant wie für Aktien. Steigt die Inflation unerwartet stark, geraten Anleihekurse unter Druck.
- Der Spread – der Zinsaufschlag von Unternehmensanleihen gegenüber sicheren Staatsanleihen – ist ein guter Stimmungsindikator: Weiten sich die Spreads aus, steigt die Nervosität der Märkte.
tl;dr;
- Anleihen sind Kredite an Staaten oder Unternehmen – Du leihst Geld, bekommst Zinsen, kriegst am Ende Dein Kapital zurück.
- Anleihepreise schwanken mit den Zinsen – und zwar gegenläufig: Zinsen rauf, Kurse runter. Und umgekehrt.
- Je länger die Laufzeit, desto stärker reagiert eine Anleihe auf Zinsänderungen (Duration).
- Inflation nagt an der realen Kaufkraft der Zinszahlungen – ein strukturelles Problem für Anleihen.
- Kreditrisiko ist real: Schuldner können ausfallen. Rating hilft bei der Einschätzung, ersetzt aber kein eigenes Urteil.
- In Portfolios dienen Anleihen zur Stabilisierung und Diversifikation – aber auch sie können in schwierigen Marktphasen erheblich verlieren.
- Zentralbanken nutzen Anleihemärkte aktiv zur Geldpolitik – der Markt ist grösser und bedeutsamer als sein Image vermuten lässt.